Codename: Panzers – Phase One

Das ungarische Studio Stormregion schickt Spieler mit „Codename: Panzers“ an die brennenden Schauplätze des Zweiten Weltkriegs. Das Echtzeit-Strategiespiel verzichtet konsequent auf Basisbau und Ressourcenmanagement, stattdessen fokussiert es taktische Gefechte in kleinen, aber schlagkräftigen Verbänden. Zwischen Polenfeldzug und Berliner Endkampf verspricht das Spiel spektakuläre Panzerschlachten in grandioser Kulisse. Doch hält die explosive Inszenierung, was die eindrucksvollen Rauchschwaden verheißen?

Codename Panzers: Phase One

Im Herbst 2004 veröffentlicht, konnte das Spiel sehr gute Kritiken in den Spielezeitschriften erringen und entwickelte sich zum Verkaufserfolg. Codename: Panzers erreichte sogar Platz 1 der in Deutschland maßgeblichen GFK-Verkaufscharts für PC-Spiele. Das vom Publisher CDV vertriebene Werk setzt bewusst wenig auf historische Genauigkeit bei militärischen Einheiten oder genauen historischen Umständen, sondern legt, ebenso wie Act of War: Direct Action, den Schwerpunkt auf einen schnellen und leicht erlernbaren Spielablauf. Humoristische Elemente lockern die ernste Thematik auf, wenn zwischen den Missionen entsprechende Tagebucheinträge und Feldpost vorgelesen werden.

Strategie Panzers Online-Game

Drei Kriegsparteien, ein Ziel

Die deutschen Truppen starten 1939 mit dem Überfall auf Polen, kämpfen sich durch Frankreich und enden schließlich in der blutigen Schlacht um Stalingrad. Die Russen verteidigen zunächst die Vororte von Moskau gegen den deutschen Angriff und stoßen in ihrer Kampagne bis nach Berlin vor. Die Westalliierten beginnen mit der Operation Overlord und der dramatischen Landung in der Normandie. Drei umfangreiche Kampagnen erzählen den Krieg aus unterschiedlichen nationalen Blickwinkeln und bieten damit verschiedene strategische Perspektiven.

Zwischen den Missionen liest das Panzerspiel Tagebucheinträge und Feldpost vor, zudem gibt es offizielle Befehle der Heeresführung und Echtzeit-Dialoge während der Gefechte. Das soll den Hauptfiguren Charakter und Tiefe verleihen, was teilweise durchaus gelingt. Besonders wenn der propagandistische Ton der Heeresführung auf die wachsende Skepsis des Offiziers Hans von Gröbel trifft, entstehen interessante Momente. Allerdings bemüht das PC Panzerspiel zu oft stereotype Preußen- und Cowboy-Klischees, und den Zwischensequenzen fehlt jegliche Mimik der Charaktere. Das schmälert die Identifikation mit den Protagonisten erheblich, sodass man sich auf Dauer mehr für die Erfahrungspunkte der Panzer interessiert als für die Schicksale der Offiziere.

Drei Kriegsparteien bieten Zweite Weltkrieg Strategie

Taktik ohne Rohstoffsuche

Codename: Panzers konzentriert sich als reines Echtzeit-Taktikspiel auf das Wesentliche: Schlachten in kleinen Kampfverbänden. Es gibt weder Basisbau noch Ressourcensuche, stattdessen bringen erfolgreiche Einsätze und das Meistern optionaler Aufträge wertvolle Erfahrungs- und Prestigepunkte. Diese investiert man strategisch in neue Truppen, während bewährte Veteranen aus früheren Schlachten in die nächste Mission mitgenommen werden können. Dieses System motiviert enorm und weckt den militärischen Ehrgeiz, jeden Einsatz möglichst perfekt zu meistern.

Das Panzerspiel bietet Taktik ohne lästige Rohstoffe Suche, der Fokus liegt voll auf dem Kampfgeschehen und strategisch klugen Entscheidungen

Die Einheitenvielfalt überzeugt auf ganzer Linie. Von diversen Infanterietypen über verschiedene Panzerklassen bis hin zu Transportern, Aufklärern und Artillerie ist alles verfügbar, was das militärische Herz begehrt. Besonders die Fußtruppen zeigen eine beeindruckende taktische Tiefe, die man bei Genre-Konkurrenten vermisst. Sie werfen Handgranaten, setzen Mörser und Flammenwerfer ein, können Gebäude besetzen und aus der Deckung heraus schießen. Sie ducken sich, kriechen langsam und nutzen sogar Schlauchboote. Eroberte Geschütze lassen sich übernehmen und effektiv gegen den Feind einsetzen. Ein heilender Sanitäter in Deckung, kombiniert mit panzerbrechenden MG-Schützen oder Scharfschützen, bildet ein absolut tödliches Team.

Allerdings fehlen feste Formationen, um beispielsweise den Sanitäter automatisch hinter einem Halbkreis aus Soldaten zu positionieren. Man muss Truppen umständlich manuell in Stellung bringen, was Zeit kostet. Zudem reagiert die Infanterie nicht immer automatisch optimal auf auftauchende Feinde. Oft ist eine erneute Befehlsvergabe notwendig, was im hektischen Kampfgetümmel erheblich nervt. Inkonsequent wirkt auch, dass die Infanterie nur bestimmte Häuser nutzen kann, aber weder in Ruinen noch hinter Mauerresten Deckung sucht.

Optische Features im Panzers Phase One

Rauchsäulen und Partikelfeuer

Optisch und akustisch liefert das Spiel absolute Höchstleistung und katapultiert Spieler mit beeindruckender Durchschlagskraft mitten ins Kriegsgeschehen. Wenn schwere Artillerie einschlägt oder Fahrzeuge in die Luft gesprengt werden, entstehen fantastische sternförmige Rauch- und Feuerdetonationen, die jedem Partikelfetischisten ein Jauchzen entlocken. Bäume stürzen unter Panzerketten um, Gebäude brechen in gewaltigen, dicken Rauchwolken zusammen. Die liebevollen Details begeistern durchweg: Soldaten schauen sich elegant um, Geschützrohre zucken realistisch beim Rückstoß, Falken kreisen über dem Schlachtfeld, und bewegtes Gras wird von idyllischem Vogelgezwitscher begleitet, bevor plötzlich die kreischende Hölle losbricht.

Jedoch nutzt das Spiel physikalisch ein vereinfachtes Hitpoint-System. Gebäude haben kein echtes Schadenssystem mit bröckelnden Zwischenstufen, sondern verschwinden einfach auf dem Nullpunkt ihrer Leiste in einer spektakulären Rauchwolke. Das sieht zwar fantastisch aus, wirkt aber weniger authentisch. Zudem fällt die Projektilgeschwindigkeit unrealistisch langsam aus. Man kann tatsächlich beobachten, wie eine feindliche Granate das Rohr verlässt, und mit dem eigenen Panzer ausweichen. Das macht Spaß, bleibt aber merkwürdig. Auch die arg kurze Reichweite der Haubitzen überzeugt nicht. Es gibt keine panzerbrechenden Geschosse, die sofort Manövrier- oder Kampfunfähigkeit bewirken, auch die gezielte Ausschaltung von Fahrwerk oder Geschützturm fehlt.

Die Bedienung im Spiel

Panzers bietet eine komfortable Bedienung

Die Kamera arbeitet absolut sauber und ist schnell verinnerlicht, lediglich ein noch weiteres Herauszoomen würde man hier und da vermissen, um auch in der Tiefe des Raumes besser planen zu können. Die komfortable Pause-Funktion rettet viele brenzlige Situationen, denn hier lassen sich in aller Ruhe neue Befehle und Angriffsziele verteilen. Dadurch spielt sich das Ganze phasenweise fast rundenbasiert und damit wesentlich gemütlicher als manch rasanter Genre-Konkurrent.

Panzers bietet eine komfortable Bedienung

Allerdings macht die Wegfindung immer wieder erhebliche Probleme. Gerade auf Karten mit engen Straßen und vielen Kreuzungen rollen die Panzer selten sofort dorthin, wo sie hinsollen. Selbst wenn man Wegpunkte setzt, kommt es zu nervigen Staus und Sackgassen, sodass man ständig den Babysitter spielen und nachkorrigieren muss. Das bremst den Spielfluss spürbar.

Künstliche Intelligenz mit Aussetzern

Passive KI mit Aussetzern

Die künstliche Intelligenz zeigt zwar kleine Lichtblicke wie das schnelle Zurückziehen angeschlagener Einheiten oder das gezielte Bombardieren des Nachschubs, enttäuscht aber auch sehr oft mit viel zu passivem Abwarten oder unverständlichen Aussetzern. Da ballert die gegnerische Artillerie strunzdumm in Wände, anstatt sich schnell neu auszurichten. Da wird ab und zu gar nicht gefeuert, oder eine Einheit nach der anderen wird sinnlos verheizt. Das ist zwar nicht die Regel und wird durch das gelungene Leveldesign teilweise wettgemacht, dämpft aber die anfängliche Euphorie erheblich.

Man hat bei den Eroberungen einfach das Gefühl, dass es den gegnerischen Truppenkontingenten an Kommunikation und koordiniertem Vorgehen mangelt. Oftmals zermürbt man in eiserner Zentimetertaktik eine feindliche Stellung nach der anderen, ohne dass man abseits von gescripteten Zwischenfällen mit klugen Ausfällen, hinterhältigen Attacken oder Umzingelungsmanövern rechnen muss.

Codename Panzers Phase One Abwechslung

Panzers Missionen mit Abwechslung

Das Missionsdesign gehört eindeutig zu den großen Stärken des Spiels. Man kämpft sich durch ganz Europa und erlebt sowohl in Sachen Gelände als auch Klima garantierte Abwechslung. Die Einsätze variieren geschickt in ihrer Zielsetzung: Mal muss man einen Flugplatz stürmen, eine Stadt erobern, eine Basis sabotieren, Brücken sichern oder feindliche Stellungen ausheben. Oftmals bringen Zwischensequenzen mitten im Gefecht interessante neue Aufgaben oder eine unerwartete Wendung, sodass man flexibel und spontan reagieren muss.

Die Luftunterstützung bereichert die taktische Tiefe spürbar. Wenn es irgendwo brenzlig wird, kann man auf Knopfdruck ein begrenztes Kontingent an Jagdbombern und schwerer Artillerie anfordern, um gezielt lästige Feindstellungen auszuhebeln. Fliegende Aufklärer sorgen für die nötige Übersicht im Nebel des Krieges und machen weit entfernte Ziele sichtbar. Ohne diese Vogelperspektive zeigen lediglich kleine Icons an, wann sich der Feind in unsichtbare Hörreichweite begibt.

Die Multiplayer Features im Panzer-Game

Multiplayer mit Einschränkungen in Panzers

Der kooperative Modus von „Codename: Panzers“ ermöglicht das gemeinsame Spielen der Kampagnen, allerdings wurde das Einheitenmanagement zu statisch gelöst. Wer fast alle seine Einheiten im Duett-Kampf verliert, kann nicht von seinem Kollegen mit Verstärkung aufgefrischt werden, sondern bleibt auf seine anfängliche Auswahl begrenzt. Zudem fällt die hilfreiche Pause-Funktion hier komplett weg, sodass der kooperative Feldzug angesichts der hakeligen Wegfindung wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Konzentration fordert.

Drei weitere Multiplayer-Modi warten auf bis zu acht Kontrahenten, die sich im Netzwerk messen können. Im Team-Deathmatch geht es um den simplen Kampf und die totale Vernichtung des Gegners. Im interessanteren Domination-Modus erobert man Fabriken, die wichtigen Nachschub liefern und Prestigepunkte generieren. Im Assault-Modus kann man sich entweder als Angreifer oder als Verteidiger eines bestimmten Missionsziels beweisen.

Fortsetzungen von Panzers

Die Fortsetzungen: Mehr Schlachtfelder, neue Schauplätze

Phase Two präsentiert sich mit deutlich größeren Schlachtfeldern und einer höheren Zahl unterschiedlicher Einheiten, zudem wurde ein Karteneditor eingebaut. Spiel-Engine und Grafik sind gegenüber dem Vorgänger allerdings kaum verändert, was einerseits für Kontinuität sorgt, andererseits aber auch wenig Innovation bedeutet. Die Szenarien wechseln diesmal zum deutschen Afrikafeldzug, zur Invasion in Italien durch die Alliierten 1943 und zum Krieg in Jugoslawien, wobei letzterer erstmals eine Kampagne auf Seiten der jugoslawischen Partisanen erlaubt.

Der dritte Teil Cold War macht einen gewagten Zeit-, aber leider keinen überzeugenden Qualitätssprung. Das Spiel thematisiert einen fiktiven Konflikt um 1949 zwischen den Amerikanern, der NATO und dem Warschauer Pakt, die im geteilten Deutschland aufeinanderstoßen. Erstmals in der Serie stehen Hubschrauber und Marine als Einheiten zur Verfügung. Die speziell entwickelte Gepard-3-Engine ermöglicht physikalische Berechnungen und dadurch beispielsweise individuell umstürzende Gebäude, was spektakulär aussieht.

Allerdings erweist sich Cold War als zu einfach. Wer den Kniff mit zwei Reparaturfahrzeugen im Panzer-Pulk anwendet, erledigt 90 Prozent der Missionen ohne ernsthafte Probleme, da angeschlagene Kollegen direkt zusammengeflickt werden. Die taktische Tiefe, das Austarieren der Stärken und Schwächen einzelner Einheiten, das Nutzen von Geländeunebenheiten – all diese Dinge sind zwar möglich, aber nicht nötig. Zudem frisst die neue Engine erheblich an Rechenkraft. Selbst auf leistungsstarken Maschinen erreicht man selten mehr als 25 Bilder pro Sekunde, in großen Schlachten bricht die Leistung sogar so weit ein, dass Ruckler den Spielfluss stören. Die fiktive Geschichte wird automatisch nicht so emotional angegangen wie die aufgeladene Weltkriegs-Thematik bekannter Panzer Filme, und wichtige Mitteilungen während der Missionen werden nur in kleinen Textfenstern angezeigt, die man in der Hitze des Gefechts schnell übersieht.

Codename Panzers Spiele-Review Fazit

Fazit: Codename Panzers

Codename: Panzers“ liefert explosive Echtzeit-Taktik mit beeindruckender audiovisueller Wucht. Die pompöse Optik und die klasse Akustik katapultieren Spieler mitten ins Kriegsgeschehen, während das motivierende Erfahrungssystem den militärischen Ehrgeiz weckt. Drei abwechslungsreiche Kampagnen bieten ordentliche Spieltiefe und lassen sich sogar kooperativ bestreiten. Die effektive Luftunterstützung und die vielfältigen Infanterie-Möglichkeiten erweitern die taktischen Optionen erheblich.

Das Fazit zum Panzer Strategiespiel

Jedoch fehlt es dem militärischen Feuerwerk für wahre Exzellenz an einigen entscheidenden Stellen. Die künstliche Intelligenz enttäuscht mit passivem Verhalten und unverständlichen Aussetzern. Die Wegfindung nervt durch ständige Staus und Sackgassen. Feste Formationen sucht man vergeblich, was die Truppenkontrolle umständlich macht. Das Schadensmodell der Gebäude bleibt halbherzig, und die Waffenphysik wirkt wenig realistisch. Das verbrauchte Weltkriegs-Szenario kann trotz netter Zwischensequenzen und lobenswerter Tagebücher nicht die erzählerische Sogwirkung anderer Genre-Vertreter entfalten. Die Charaktere bleiben blass, und die drei Kriegsparteien ähneln sich zu stark.

Dennoch: Für Freunde gepanzerter Gefechte bietet das Spiel packende und unterhaltsame Stunden in famoser Kulisse. Die jederzeit nutzbare Pause-Funktion erlaubt gemütliches, fast rundenbasiertes Planen, was Einsteigern den Zugang erleichtert. Veteranen genießen die durchdachten taktischen Möglichkeiten der Infanterie und die spektakulären Explosionseffekte. Wer spektakuläre Panzerschlachten erleben und sich durch Europa kämpfen möchte, greift bedenkenlos zu. Wer jedoch eine perfekte KI, realistische Physik und innovative Mechaniken erwartet, wird enttäuscht.

Codename Panzers: Pro und Contra

Was gefällt Was nicht gefällt
  • Motivierendes Erfahrungssystem mit Veteranen
  • Effektive Luftunterstützung durch Bomber
  • Abwechslungsreiche Missionen in ganz Europa
  • Spektakuläre Explosions- und Partikeleffekte
  • Vielfältige und taktisch tiefe Infanterie-Optionen
  • Kooperativ spielbar mit anderen Kommandanten
  • Anpassbare Schwierigkeitsgrade für alle Spieler
  • Saubere und schnell erlernbare Kamera-Steuerung
  • Jederzeit pausierbar für strategische Planung
  • Informatives Handbuch mit historischen Details
  • Unzuverlässige und nervige Wegfindung
  • Passive KI mit häufigen Aussetzern
  • Fehlende Formationen für Truppenaufstellung
  • Unrealistische Geschossphysik und Reichweiten
  • Verbrauchtes Weltkriegs-Szenario ohne Überraschungen
  • Blasse Charakterzeichnung trotz Tagebüchern
  • Halbherziges Schadensmodell für Gebäude
  • Starke Ähnlichkeit der drei Kriegsparteien
  • Keine Mimik in den Zwischensequenzen
  • Kein Truppentausch im kooperativen Modus